1

Ziele setzen oder lieber doch nicht?

ziele-setzen-oder-doch-nicht„Wer das Ziel vor Augen hat, verliert den Weg nicht aus den Augen.“ So oder ähnlich empfehlen es eine große Zahl an Ratgebern. Ein klares Ziel vor Augen, so heißt es oft, wirkt sich positiv auf die Motivation aus und hilft durchzuhalten. Doch erstens sind Ziele oft zu hoch gesteckt und zweitens ist es nicht in jedem Bereich des Lebens überhaupt sinnvoll, Ziele zu erreichen. Teste Dich: Verursachen Deine Ziele Dir Stress?

Warum Ziele so beliebt sind

Es hat gute Gründe, warum Ziele so beliebt sind:

  • Sie geben unkonkreten Wünschen eine Gestalt.
  • Sie lassen sich mitteilen.
  • Sie machen das eigene Leben „messbar“.

Besonders die Messbarkeit von Zielen macht sie attraktiv, denn dadurch geben sie das Gefühl von Kontrolle. In diesem Sinne sind Ziele hilfreich, z.B. um die eigenen Fortschritte zu messen. Für die extra Portion Motivation verkündet man seine Ziele in seinem Umfeld und schafft sich so ein externes Kontrollelement.

Wenn Ziele zum Stressfaktor werden

Sobald Ziele, ähnlich wie gute Vorsätze, mit der Wirklichkeit konfrontiert werden, offenbart sich die ganze Tragik. Gründe die gegen das Setzen von Zielen sprechen:

  • Zwar helfen Ziele, Prioritäten zu setzen. Zwangsläufig wird die Wahrnehmung eingeengt und durch diesen Tunnelblick wird viel Gutes auf dem Weg zum Ziel links liegen gelassen.
  • Wenn das Ziel hingegen gar nicht erst erreicht wurde, drohen Zweifel und Minderwertigkeitsgefühle: Ich habe versagt. In der Regel wird dann nicht das Ziel infrage gestellt, sondern die eigenen Fähigkeiten: fatal.
  • Ziellinie, Euphorie, und dann? Das Erreichen eines Ziels macht nicht automatisch zufrieden. Anders ausgedrückt: Nicht selten macht sich eine Leere breit, die nur mit einem neuen Ziel gefüllt werden kann. Im schlimmsten Fall entsteht so ein Leben in permanentem Stress und Zugzwang.

 

Wo man sich keine Ziele setzen sollte

Ich meine, man sollte sich keine Ziele setzen bei Dingen, die man zur Erholung oder zur Freude und als Bereicherung seines Lebens tut. Singen lernen, Malen lernen, Bloggen, eine Fremdsprache lernen oder auch Sport treiben. Das sind nach meiner Ansicht Bereiche, wo Ziele nur stressen und die positiven Effekte dieser Aktivitäten stark gefährden. Wer in seiner Freizeit Sport treibt und dies nicht zur Erholung tut, könnte ein Problem haben. Warum auch eine Zielsetzung? Entweder Du tust es oder nicht. Entweder Du zeichnest oder nicht. Entweder Du singst oder nicht. Entweder Du treibst Sport oder nicht.

zielsetzung

Ziele sind schnell gesetzt. Der Stress kommt kurze Zeit später.

Teste Dich: Erzeugst Du Dir unnötig Stress durch Ziele?

Ob Deine Ziele Dir Stress verursachen, lässt sich vor allem am Beispiel Sport leicht testen. Aus meiner Sicht soll Sport ein Bonus sein, etwas, das Deinen Tag krönt und nichts, was Dir die Nerven raubt. Im Englischen wird Freizeitsport als „recreational sport“ bezeichnet. Re-creation im Sinne von Wiederherstellung oder Auffrischung. Dir als Freizeitsportler Ziele zu setzen, kann also zum Stressfaktor werden in einem Bereich, der Dich eigentlich wieder aufbauen soll. Durch verbissene Zielsetzung führt Sport nicht zum Aufbau der tagsüber ausgegebenen Kraft, sondern zum zusätzlichen Stressfaktor.

Stell Dir einmal folgende Fragen:

Hast du manchmal ein schlechtes Gewissen, wenn du nicht zum Sport gehst?

Vergleichst Du Dich oft mit anderen?

Machst Du Dir oft Sorgen um Deine Leistung?

Hast Du manchmal das Gefühl „nicht fit genug“ zu sein, um Sport zu treiben?

 

Wer mehrere dieser Fragen mit Ja beantwortet, setzt sich unter Umständen sportliche Ziele, die in echten Stress ausarten. Alternative: Wenn schon Ziele setzen, dann doch dieses: Versuche bei der nächsten sportlichen Aktivität im Moment der größten Anstrengung zu lächen. Schenke auch Deinen Mitsportlern ein Lächeln und dann pack wieder an! Der Effekt? Du lernst, die Bewegung, die Anstrengung, den Sport an sich zu lieben, statt Dein Wohlergehen von den blutleeren Ziffern der Stoppuhr abhängig zu machen. Aber das hast Du Dir sicher schon selbst gedacht 😉 .

Ronny Stenzel

Ronny Stenzel, Vertrauensronny für Dresden und Umgebung. Pagoden entspannen mich, Burpees reizen mich. Ich liebe Filterkaffee und Filme (am liebsten gleichzeitig). Ein Mal pro Woche spüre ich mich bei CrossfitDD.

One Comment

  1. Der Weg ist das Ziel! Über 50 Jahre getestet, kam immer zum gleichen Ergebnis. Ziele sind aber recht hilfreich zur Auswahl der Richtung. 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.